Gut, es ist zwar nur eine Aussicht auf eine Wand, die da direkt vor meinem Fenster ist, aber das macht nichts, es ist meine Aussicht... Die japaner haben wirklich eine lustige bauweise. Sobald irgendwo noch 3 Meter Platz zwischen zwei Häusern oder Wänden sind, wird einfach noch ein Gebäude reingestellt - natürlich mit den obligatorischen Fenstern. Das man damit nur auf eine weitere Wand starrt, stört scheinbar keinen. Macht ja auch nichts, von oben kommt es ein bißchen hell durch, und so merkt man morgens gleich, wenn es - wie leider zu oft zur Zeit - regnet, wenn man aufstehen muß.
Heute stehe ich also auf, das Prasseln des Regens hat aufgehört, und statt dessen scheint der Himmel klar zu sein. Zumindest ist es hell in meinem Zimmer. Also schnell zur Bank, solange es trocken ist. Dann nicht mit den vielen Nullen durcheinander kommen - ich will nur 7.000 Yen abheben, und nicht 70.000 Yen. Puh, gerade nochmal gut gegangen. Einerseits freue ich mich ja für die Japaner, daß sich die Wirtschaft erholt, aber muß das genau dann sein, wenn ich hier bin, und dadurch der Yen so teuer wird? Durch den Wechselkurs ist hier innerhalb eines Monats mal alles - für mich - um 10% teurer geworden. Mist...
Da der Himmel sich schon wieder zuzieht, und meine Suche nach dem Ikea-Bus genauso erfolglos bleibt, wie die Suche nach einem Softbank-Shop (ich muß die Spam-Flut stoppen! ... lassen!), beschließe ich, wieder nach Hause zu gehen. der Kühlschrank ist gefüllt, und das gestern mehrfach angekündigte Putzen ist wegen Versumpfung im Chat und Internet ausgeblieben. Also, habe ich doch schon eine Aufgabe für den Tag. Zurück in meinem neuen Heim räume ich erstmal mein Futon zur Seite und staune, wie groß mein Zimmer plötzlich ist. Tja, man paßt sich eben doch irgendwie an, anderes Land, andere Sitten, andere Maßstäbe.
Nein, nach rechts geht es nicht weiter, hinter dem Kühlschrank ist nur noch eine Wand. Was man hier sieht, ist schon das ganze Zimmer, neben den matten sind noch etwa 30 cm Platz bis zur Wand. Ach ja, linker Hand sieht man das Fenster mit der famosen Aussicht. Nun noch kurz ein Blick in die andere Richtung, um einen Eindruck vom ganzen Apartment zu bekommen.
Ich bin stolz auf meine beiden Teppiche - beide im 100 Yen Shop erstanden. Einfach ein genialer Laden, besonders, wenn man sich mit knappen Budget ausrichten muß. Rechts von dem schwarzen Teppich, wo auch die top-modischen Slipper stehen, befindet sich das Bad, komplett aus einem Stück Plastik gegossen, wie man es aus guten Studentenwohnheimen kennt, und der Teil, dem ich mich gleich widmen werde, nachdem ich die Küche - naja, Küchenzeile - einmal grob gereinigt habe.
So lebe ich also. Ich fühle mich wohl hier und freue mich schon darauf, mit meinen ersten Gästen meine erste Nabe-Party zu machen. Dazu fehlt mir nur noch das wichtigste: der Nabe, also der Topf. Aber den besorge ich mir schon noch, sobald ich meinen Ikea-Trip angehe. Wie sagt man doch so schön:
It's not much - but it's home!
