Sonntag, 25. April 2010

Das ist "Chicken" - und es ist "Healthy"

Die Japaner und ihre Essgewohnheiten mögen für die westliche Welt oftmals etwas befremdlich wirken. Manches mal mag man sich geradezu fragen, ob die Japaner besonders komplex konzipierte Geschmacksnerven besitzen, die es ihnen ermöglichen, all die feinen Nuancen zu bemerken, die unseren barbarischen, von - per Klischee - Bier, "Sausage" und Sauerkraut verdorbenen Gaumen verborgen bleiben...


Tja, und dann gibt es da noch die Realität, die einen manchmal etwas zweifeln läßt, und man sich dann fragt, ob das alles nur Show ist, um die Gaijin zu beeindrucken. Warum ich eine derart dreiste Behauptung aufstelle? Das ist schnell erklärt:

Es ist wieder soweit, ich befinde mich mal wieder in einem Isakaya, in einem Stadtteil in West-Osaka, der nichts mit dem bunten Getümmel in Namba oder Umeda gemein hat. Nakanishi sagt mir, daß er hier in den 30 Jahren, die er hier lebt, noch nie einen Ausländer hier gesehen hat, und ich vermutlich der erste Deutsche bin, der seinen Fuß auf diese Straße setzt, jene Gasse durchschreitet, oder durch diesen Tunnel geht. Kurz gesagt: das ist "true japan", unverblümt, so wie es fernab der Tourismus-Branche aussieht. Die Häuser sind klein, die Strassen sind schmal, überall ist es ungewöhnlich still, und nur wenige Leute treiben sich um 8 Uhr abends noch auf der Straße herum. Es ist ganz anders als das, was ich bisher gewohnt bin, hat aber auch einen ganz eigenen Charme.

Erste Station des heutigen Abends: der Kanji-Master. Wir betreten ein kleines Haus und gehen hinauf in den ersten Stock. In einem kleinen Raum, der übersät ist von Papieren mit mystischen Schriftzeichen, die an die geisterhaften Siegel aus alten Samrai-Filmen (oder moderner: Animes) erinnern. Alles ist still, und wir betreten ehrfürchtig den Raum. In der einen Ecke kniet ein braver Schüler, der 15 Minuten lang damit beschäftigt ist, 8 Kanjis zu ... tja, zu malen? Zu schreiben? - Zu üben. 15 Minuten - 8 Kanjis. Das nenne ich Ausdauer. In der anderen Ecke des Raumes sitzt der "Kanji-Master", wie Nakanishi ihn nennt. Es ist schwer vorstellbar, doch wenn man ihm zusieht, wie er mit Schwung die Kanji auf's Papier bringt, wird man unweigerlich mit Ehrfurcht vor dieser Kunst erfüllt. Die Kunstwerke sind weitaus mehr als bloße Schrift, sie bekommen durch den Meister eine "Seele" - auch wenn das jetzt etwas pathetisch klingen mag. Nach der ersten Verwunderung beginne ich, diese Kunst zu begreifen; die Ruhe und die Kraft, die in ihr steckt.


Unter dem kritischen Auge des Meisters dürfen auch wir uns mit dem Pinsel bewaffnen und ein paar Kunstwerke fabrizieren. Nakanishi kann es sich nicht verkneifen, sein 花 (Blume) mit einer kleinen Blüte zu verzieren, hat aber sofort nach Vollendung seines Werkes Angst, sich jetzt den Unmut des Meisters zugezogen zu haben. Natürlich sind unsere Versuche in keinster Weise mit den Stücken des Profis zu vergleichen, aber wir haben alle unseren Spaß, und auch bei aller Ehrfurcht ist es nicht verboten zu lachen. Yu-chan's 気 ist sehr gut gelungen, wie ich finde. Es wirkt weniger kalligraphisch, aber doch sehr schön, und mir tut es in der Seele weh, zu sehen, wie es auf dem Stapel für Papier landet, der nur zum Abtupfen der Tinte von den "echten" Kalligraphien landet... Meinen Traum 夢 hätte ich eher dort gesehen, und abermals frage ich mich, wieviel von dem Lob der Japaner um mich herum echt ist, und wieviel Talent wirklich in mir schlummert.


Danach ziehen wir weiter ins Izakaya - natürlich nicht, ohne uns mehrfach mit unseren Nasenspitzen bis zum Boden zu verbeugen und dem Meister für seine Zeit zu danken und uns beim Schüler für die Störung zu entschuldigen. Das Izakaya ist klein, aber gemütlich, und jeder scheint dort jeden zu kennen. Ich beginne, Nakanishi zu glauben, daß ich der erste Deutsche hier bin - ich fühle mich ein bißchen wie im Zoo, nur auf der anderen Seite der Glasscheibe. Bisher dachte ich, das "Starren" sei Kindern und Senioren vorbehalten - scheinbar haben Japaner im Bezug aus Ausländer die gleiche Narrenfreiheit. Aber alle sind ausgesprochen freundlich - kein Wunder: ich bin ja in Japan! - und ich fühle mich sehr schnell sehr wohl in dieser lustigen Runde. Irgendwann habe ich  plötzlich einen neuen Spitznamen: Michael. Scheinbar der typische Namen, den man als Ausländer zu haben hat.

Wie im Izakaya üblich, bestellen wir unzählige Kleinigkeiten, um unsere knurrenden Mägen zu füllen. Wie so oft gibt es dabei haufenweise Köstlichkeiten, die auf den ersten Blick nicht zu entziffern sind. Wie allerdings in Japan üblich, wird mir bei allem versichert: "Its herrshi" (= "It's healthy!"). Da ich beim Essen eigentlich extrem unkompliziert bin, verspeise ich fröhlich alles, was mir vorgesetzt wird. Dennoch bin ich neugierig, und um Überraschungen zu vermeiden frage ich dennoch immer zuvor, was ich hier als nächstes Verspeise. Manche Sachen sind mir einfach fremd - überfahrenen und ausgedörrten Tintenfisch esse ich normalerweise eher selten - und andere Sachen kann man nicht erkennen, da die Japaner eine Vorliebe dafür haben, alles zu panieren oder zu frittieren, und auf kleine Spieße zu stecken: Fisch, Mais, Wiener, Kartoffeln, Kniescheiben von Hühnchen, Spargel, Kartoffeln, und wer weiß was nicht noch alles.


Als ich das erste Mal mit Nakanishi im Izakaya war, fragte ich auch, was das panierte Essen dort in der Schale ist. "Chicken, Chicken" war die Antwort - und umso größer die Überraschung, als ich meine Zähne darin versenkte: 「中西!魚です!」 - 「ああ、本当だ!」  ("Nakanishi! Das ist FISCH!" - "Hä? Oh, tatsächlich.") Damals habe ich mich bereits sehr darüber amüsiert, um heute erneut vor einer undefinierbaren Speise zu sitzen und zu räseln, worauf mir Yu-Chan versichert: "Chicken, chicken". Und abermals ist die Überraschung groß: 「ゆうちゃん!豚です!」 - 「ああ、本当だ!」  ("Yu-Chan! Das ist SCHWEIN!" - "Hä? Oh, tatsächlich.") Ich amüsiere mich köstlich, und stelle fest, daß für die Japaner scheinbar die Präsentation wichtiger ist, als der Geschmack. (Merkwürdig, diese Theorie läßt keinen Raum für die Daseinsberechtigung von Nattô - was weder gut aussieht, noch schmeckt. Zumindest am Anfang - inzwischen mag ich die vergorenen Sojabohnen sogar wirklcih gerne.) Letzlich gilt wohl immer noch das wichtigste: "Its herrshi!"


Zugegeben, meine Einleitung mit "das ist schnell erklärt" war - ob der langen Vorgeschichte - wohl ein bißchen irreführend. Jedoch war der ganze Abend etwas besonderes, weswegen ich ihn in meiner Ausführung einfach nicht auslassen konnte.

Guten Appetit!

Montag, 15. März 2010

Typisch japanisch: Karaoke

Ich sitze mit Nakanishi in einem Restaurant, daß mit europäischen Speisen und Getränken wirbt. Wir aber lassen uns das Bier aus Osaka schmecken, sowie Sashimi, Nankotsu, Tamago, Edame, und andere typisch japanische Kleinigkeiten, während wir auf die anderen warten. Die Location ist allerdings ziemlich gemütlich, nur der arme Nakanishi wird auch abends um halb 10 noch von seinem Handy terrorisiert, da die Leute in der Arbeit noch seine Hilfe benötigen. Live erlebe ich das Schauspiel von guter Miene zum bösen Spiel, während der sichtlich gestresste Nakanishi brav und höflich alle auch so spät noch eingehenden Anfragen beantwortet.


Japan, das Land der Arbeit, läßt seinen Einwohnern keine Ruhe, weswegen auch leider die anderen, die noch kommen wollen, absgagen müssen. Masatake ist der einzige, der es noch geschafft hat, vorbei zu kommen, während die anderen im geschäftigsten Monat des Jahres, dem März, brav ihren Dienst für die Firma verrichten. Also ziehen wir zu dritt weiter. Heute werde ich ein weiteres Puzzle-Teil der japanischen Kultur kennenlernen. Wir machen uns auf zum カラオケ (Karaoke)!


Wir buchen uns einen Raum, in dem wir unsere Kehlen und Ohren malträtieren können. Eine Stunde kostet pro Person 1000 Yen, was aber als Gutschrift auf die Getränkekarte gilt. Wohl mit ein Grund, warum Japaner so gerne diesem Hobby frönen, da sie es wirklich lieben, als Ausgleich zu der ganzen Plackerei hemmungslos zu feiern. Aus einem riesigen Repertoire suchen wir uns verschiedene Lieder aus. Ich bin etwas überfordert, da mir spontan nichts einfällt, was ich singen möchte. Und das Stöbern aus einem Katalog, der dicker ist als die "Gelben Seiten" macht die Sache nicht gerade einfacher.


Nakanishi beginnt mit ein paar Serienhits und singt die Titellieder zu GTO (反町高橋 ・ Poison) und Dragonball, der berühmtesten Anime-Serie in Japan (und vielleicht sogar weltweit). Diese Art Songs würden mich zwar auch reizen, jedoch wäre ich leider überfordert, die japanische Schrift schnell genug entziffern zu können, um dabei auch noch mitzusingen. Schließlich stolpere ich über "The Offpring - Self Esteem", was zwar schon uralt, aber mir wenigstens bekannt ist, und innbrünstig gebe ich meine Gesangskünste zum Besten.


Reihum singen wir die verschiedensten Lieder, und lassen uns reichlich mit Cocktails, Würstl und Pommes und angebackenem Käse verköstigen. Der Abend wird immer später, wir werden immer lustiger, und unsere Hälse tun immer mehr weg. Besonders beeindruckt bin ich davon, daß Nakanishi auch die ganzen englischen Lieder zum Besten gibt, ohne jedoch die leiseste Ahnung zu haben, was er da eigentlich gerade singt. Er konzentriert sich lediglich auf die Katakana, was so ist, als würden wir etwas in einer uns unbekannten Fremdsprache vorlesen, und uns dabei nur an der Lautschrift orientieren. "... batto donto rukku bakku in angaa ai haado yuu sei..." Ich bin beeindruckt und amüsiert zugleich.


Den krönenden Abschluß findet der Abend in einer kollektiven Darbietung von "We are the world", in der wir drei Künstler alle musikalischen Tricks hervorzaubern, und von Barry White bis zu Chris Rea das ganze Stimmrepertoire abdecken. Die Zeit vergeht wie im Flug, aus der geplanten Stunde sind schnell zwei geworden, und wir erwischen gerade noch den letzten Zug nach Hause, heiser, leicht angetrunken, und völlig ausser Atem. Nun habe ich also auch diese Bastion der japanischen Kultur kennengelernt, und ich bin gespannt, was sonst noch so auf mich zukommen wird...

Samstag, 13. März 2010

Home Sweet Home

Heute ist Shopping-Tag. Ein weiteres Mal werde ich für Mayumi den Fremdenführer in "meiner" Stadt spielen, und ihr nochmal zeigen, wie die shotengai oder america mura aussehen, wenn es dort mit Leben gefüllt ist. Letztes Mal war nämlich leider alles wie ausgestorben.



Das Wetter ist mild, dennoch fallen  nach kurzer Zeit ein paar Tropfen vom Himmel, die uns aber nicht weiter stören. Zufällig habe ich gestern ein Kapsel-Hotel entdeckt, als ich auf dem Heimweg war. Als ich Mayumi davon erzähle, weiß sie nicht, wovon ich spreche, und abermals frage ich sie, ob sie sich sicher ist, Japanerin zu sein. Da Kapselhotels immerhin weltberühmt für Japan sind, muß ich natürlich diese Wissenslücke schließen.


Ich erinnere mich zurück: Als ich das erste Mal mit Tobi in Japan war, hatten wir eine nicht-verplante Nacht und mußten überlegen, wo wir unterkommen können. Obwohl uns beide die Erfahrung gereizt hat, einmal in einer solchen Kapsel zu übernachten, haben wir uns letztlich doch für ein Ryokan entschieden, und den traditionellen Stil dieser modernen, aus Platzmangel entstandenen Errungenschaft vorgezogen.


Das amerikanische Viertel sprüht vor Leben. Die Geschäfte sind alle geöffnet, zahlreiche Leute tummeln sich auf den Straßen, und auch der Ausrufer, der seinen Schmuck und seine Uhren per Megafon anpreist ist da. Ich habe Mayumi bereits von ihm erzählt, und sie ist völlig überrascht von dem ganz anderen Bild, daß sich ihr hier nun bietet - war doch das letzte Mal alles geschlossen und der gesamte Platz wie leergefegt.


Wir laufen noch ein wenig kreuz und quer durch das Viertel, um den Flair in uns aufzusaugen. Während ich ein Fahrrad mit ungewöhnlich dicken Reifen bewundere, bemerkt Mayumi einen Club, der so manchem bestimmt heimische Gefühle vermittelt. Wahrlich eine "Träumerei", obwohl ich angesicht des pulsierdenden Lebens um uns herum dem "Untertitel" nicht wirklich zustimmen kann...


Weiter geht es zur Dotombori Shotengai, einer riesigen und sehr berühmten Einkaufspassagen in der Nähe von Namba - und damit, praktischerweise auchg anz in der Nähe meiner Wohnung. Was für eine Lage...
Gedrängt wie die Sushi-Rollen in einer Bentobox schieben wir uns langsam durch die vielen, lauten und bunten Geschäfte mit der Masse vorwärts. すしすめ!Wir kommen an dem Geschäft vorbei, wo ich gestern köstliche Ramen gegessen habe, und ich natürlich möchte ich auch diesen Laden zeigen. Der Laden ist wieder gut besucht, allerding war ich gestern nur von Chinesen umringt, die auf mein 「すみません、ここで座ってもいいですか?」 (im Übertragenen Sinne ungefähr: "Entschuldigung, ist hier noch frei?") nur mit verwirrten Blicken reagiert haben. Dennoch: ausgesprochen lecker! Die Chinesen wissen eben auch, was gut ist.


Ich amüsiere mich darüber, daß ich als Gaijin hier den Fremdenführer spiele, und freue mich an Mayumi's Begeisterung. Was für mich schon Alltag ist, löst bei ihr mitunter großes Erstaunen aus, und sie ist überwältigt von den Menschenmassen. Als wir über die Brücke kommen, bin auch ich überrascht: die Menschen stehen in einer ewig langen Schlange für etwas an, ordentlich von Polizisten-ähnlichen Beamten geordnet und geregelt. Welcher Celebrity treibt sich  hier gerade herum und verursacht diesen Menschenauflauf? Die Antwort ist für uns unvorstellbar: Der Ansturm gilt dem zweiten H&M Laden in Japan, der hier gerade eben in Osaka aufgemacht hat. Für die Japaner ein echtes happening, und Mayumi erzählt mir, daß alle Freunde, die sie in München besucht hatten, auch unbedingt zum H&M gehen wollten. Merkwürdige Touristenattraktion, wie ich finde.


Schließlich kommen wir mal wieder bei meinem Lieblings-100-Yen-Shop an. Ich möchte noch ein wenig Deko-Krims-Krams für meine Wohnung kaufen, um die kahlen Stellen ein wenig zu schmücken. Nach einem kurzen Abstecher zu den Fotodruckern - meiner Kamera habe ich glücklicherweise dabei - besorge ich mich also Klebeband und eine Pinnwand-Tafel. Nun kann ich endlich auch hier meine Wände mit meinen Freunden verzieren, wie ich es von zu Hause gewohnt bin. Schließlich habe ich den Shopping-Trip lang genug ausgedehnt, bis es dunkel wird, da ich noch das wahre Gesicht von america mura bei Nacht zeigen möchte.


Auf dem Rückweg machen wir dort also nochmal kurz Pause und genießen einfach ein wenig die Atmosphäre. Gleich ein ganz anderer Eindruck, wenn die Lichter leuchten, die Anzeigentafel Musikvideos und ander Unterhaltung präsentiert, und die Geschäfte noch geöffnet haben und voll mit Kunden sind. Bevor es zurück nach Hause geht, machen wir noch einen Abstecher in den Supermarkt, um für's Abendessen einzukaufen. Ich entdecke ein merkwürdiges Regencape, was dort verkauft wird, und frage, um was für ein skurriles Kostüm es sich dabei handelt.


Bei genauerem Hinsehen leuchtet mir die Erklärung ein: es handelt sich nicht um ein Regencape, sondern einen Umhang, der die Haare beim Schneiden auffängt. Ganz schön einfallsreich, diese Japaner...
Wir besorgen noch schnell die nötigen Sachen, die wir brauchen: heute gibt es leckere selbstgemachte Okonomiyaki, von meiner pesönlichen Chefköchin frisch zubereitet.


Während sie kocht, kümmere ich mich um meine neuesten Errungenschaften und mache mich ans Werk, mein Zimmer wohnlicher zu machen. Es ist zwar nicht viel, aber ich freue mich über die Anschaffung, da das Fenster gleich nichtmehr so kalt wirkt. Es wird von Tag zu Tag wirklich immer heimelicher hier...

Donnerstag, 11. März 2010

"Sukima Switch" Konzert

Unglaublich, heute regnet es nicht, und sogar die letzte Nacht war trocken. Der Himmel ist klar, und der Preis dafür ist eisige Kälte. Zumindest in meiner Kühlschrank-Wohnung. Ich werfe noch einen kurzen Blick auf Google Maps und mache mich auf den Weg. Der グランキューブ大阪 ("Grand Cube Osaka") sollte eigentlich relativ leicht zu finden sein. Wie jeden Tag freue ich mich: die Lage ist einfach unbezahlbar genial! Ich packe mich also dick ein und mache mich auf den Weg.

Sowie ich meine Wohnung verlasse und auf die Strasse trete, werde ich angenehm überrascht: der Himmel ist blau und das Wetter ist sonnig. Der Wind ist zwar frisch, oder eher kühl, aber es ist ein freundliches, angenehmes Wetter. Bei meinem 100 Yen Lawson um die Ecke hole ich mir noch schnell ein Onigiri für den Abend und laufe weiter nach Norden.

Gestern habe ich von Yûko-chan eine Einladung bekommen, mit auf das スキマスイッチ Konzert zu gehen. Die Band ist scheinbar ziemlich berühmt, aber ich habe noch nie von ihnen gehört. Da ich aber Musik und Konzerte liebe, nehme ich die Einladung natürlich freudig an und verbrachte den ganzen gestrigen Tag damit, mir die Musik der Band auf Youtube anzuhören. Natürlich nur in den Lernpausen...



Nach nur rund 20 Minuten komme ich an dem imposanten Gebäude an. Yûko-chan schreibt mir, daß Junko-chan bereits drinnen im Café im 5. Stock wartet, und sie gleich nachkommen wird. Ich fahre mit dem Aufzug nach oben und suche sie. Als ich ihr schreiben will, findet sie mich, und gemeinsam warten wir auf Yûko.

Sie kommt an, und wir holen uns unsere VIP-Backstage-Ausweise. Vitamin-B öffnet einem einfach jede Tür, und ich bin gespannt, was mich erwartet. Wir betreten also den riesigen Saal, und ich bin sprachlos. Die Größe ist enorm, und ich denke dabei nicht an ein Konzert, sondern habe eher das Gefühl, mich in einer Oper oder einem riesigen Theater oder Kino zu befinden.


Der Saal ist schon gut gefüllt, und wir nehmen unsere (großartigen) Plätze an. Direkt neben uns sitzt ein berühmter Comedian aus Osaka, was wir aber erst dadurch bemerken, daß plötzlich reihenweise Leute zu ihm stürmen und ihn ehrfürchtig und herzklopfend begrüßen, bevor sie sich ungläubig wieder entfernen. Jedoch auch meine beiden Begleiterinnen wissen nicht, wer er ist. Daher schlage ich vor, daß wir auch einfach hingehen sollten und ihm sagen, daß wir uns freuen, ihn hier zu treffen und kennenzulernen...


Als die Lichter ausgehen, warte ich vergeblich auf die von begeisterten Schreie, Rufe und Pfiffe, die ich von Konzerten in Deutschland gewöhnt bin, wenn die gespannte Menge durch ihren Jubel die Band auf die Bühne ruft. Nicht so natürlich im gesitteten Japan. Ehrfürchtige Stille erfüllt die Räumlichkeiten, alle sitzen brav auf ihrem Platz und warten auf den Beginn der Show. Während ich mich noch wundere, ob das die reguläre Konzert-Atmosphäre ist, kommt die Band auf die Bühne, und mit dem ersten Ton gehen die Lichter an. Wie auf Kommando stehen alle - und zwar wirklich alle! - auf und beginnen rhythmisch zur Musik zu klatschen. Die Menge ist begeistert von der Band und agiert als eine große, gut koordinierte Masse. Ich blicke mich um und sehe tausende Japaner, die im Gleichtakt in die Hände klatschen, vom サラリーマン im Anzug bis zum ギャル im Minirock und hohen Stiefeln. Nicht einer fällt aus der Reihe, wie Zinnsoldaten stehen sie aufgereiht vor ihren Sesseln und begleiten die Musik. Trotz dieser befremdlich wirkenden Einheitlichkeit sind alle ehrlich begeistert und genießen die Musik.


Besonders fällt mir ein Mädchen auf, die ihre Freude kaum zügeln kann. Ab der ersten Sekunde ist sie mit Leib und Seele dabei, winkt, klatscht und tanzt zur Musik, und es ist eine wahre Freude, diese ansteckende Glücklichkeit zu sehen und zu spüren.

Ungewöhnlich empfinde ich die absolute, abwartende Stille, die sich zwischen den Liedern einstellt. Nachdem der Applaus abgeklungen ist, könnte man vermutlich eine Stecknadel fallen hören, bis der erste Ton des nächsten Liedes erklingt, und die Menge wieder tobt. Nach der ersten Stunde gibt es eine längere Musik-Pause, während der der Sänger ein bißchen erzählt und sich mit dem Pianisten unterhält. Die beiden bilden die Stars der Band und sind die Vorzeige-Gesichter. Jede seiner Geschichten wird vom Publikum mit Lachen, Klatschen, Gelächter und Begeisterung belohnt. Ich gebe mir die größte Mühe, verstehe aber maximal 1% dessen, was uns der Sänger zu sagen hat. Er beginnt seine Ansprache mit einem schnellen "O'g'mas!" - zumindest ist das alles, was ich höre. Das Publikum lacht und ich frage Yûko-chan, was so lustig ist. Was ich nur als ein wie aus der Pistole geschossenes 「おごます!」 gehört habe, war eigentlich ein 「おはようございます!」 ("Ohayô gozaimasu!"), wovon ich allerdings nur die Hälfte heraushören konnte. Aber nun verstehe ich auch, warum das Publikum erheitert ist, wenn er uns abends um 8 Uhr mit "Guten Morgen!" begrüßt.


Danach geht das Konzert noch etwa eine Stunde weiter. Als sich der Saal leert, werden wir abgeholt, um die Band backstage zu treffen. Mit ein paar anderen, aufgeregten Fans warten wir auf die Band und wechseln ein paar Worte mit ihnen. Die Atmosphäre hat weniger den Flair einer Band, die nach ihrem Auftritt backstage noch ein bißchen chillen kann, sondern wirkt eher noch wie eine kleine Pressekonferenz, bei der der Sänger und der Pianist brav der aufmerksam lauschenden Gruppe Rede und Antwort stehen.

Alles in allem kann man sagen, daß es ein sehr interessantes Konzert-Erlebnis war. Mit vielen neuen Eindrücken gehe ich nach einem sehr unterhaltsamen Abend voller schöner Musik und guter Laune nach Hause. Habe ich schon erwähnt, daß die Lage meiner Wohnung genial ist?

Dienstag, 9. März 2010

Wie im Restaurant

Mayumi ist hier, und wie überlegen, was wir mal wieder gegen den eintretenden Hunger tun können. Ich möchte endlich meinen Wok einweihen, und habe auch Lust, mal wieder, etwas anderes zu essen. Vielleicht gehen wir einfach in den Supermarkt und schauen, was uns anlacht. Vorher koche ich uns noch schnell einen Tee - mangels Wasserkocher oder Topf improvisiere ich ein wenig. Mmmmh, sieht das nicht köstlich aus?


Unterwegs laufen wir noch schnell bei der コインランドリー vorbei, und ich bin froh, daß Mayumi dabei ist, um mir zu helfen, die Schilder an der Waschmaschine zu entziffern. 40 Yen gehen für das Waschpulver drauf, 150 Yen für einmal Waschen, 200 Yen wenn man heißes Wasser will. Doch auch Mayumi ist wegen der verschiedenen Schilder verunsichert, und wir überlegen, wie wir die Erklärung interpretieren dürfen. 30 Sekunden zum Spülen? Wohl etwas zu schnell. Gehört das Waschpulver erst später dazu? Gute Frage... Nach langem Zögern schmeißen wir einfach alles auf einmal in die Maschine und hoffen auf das Beste. Interessant, die Maschine schnappt auch im Betrieb nicht zu und verriegelt - man kann jederzeit den Deckel oben öffnen, der einfach zuklappt, ohne einzurasten. Naja, wird schon schiefgehen. Die Anzeige deutet an, daß es rund 38 Minuten dauern wird, genug Zeit also, um schnell in den Supermarkt zu gehen.

Glücklicherweise befindet sich ja alles in Reichweite: eine halbe Minute zur Wäscherei, nochmal 1 Minute bis zum Supermarkt. Genial, diese Lage! Im Supermarkt kaufe ich als erstes wieder allerleit Gebäck fürs Frühstück, Kuchenrollen, Schokohörnchen, und anderen Süßkram. Und für den Hunger zwischendurch müssen auch noch ein paar Onigiri in den Korb. Beim Stöbern durch den Supermarkt entschließen wir uns, Yakisoba zu kochen, also gebratene Nudeln mit Fleisch und Kohl. Einfach und lecker.Mayumi zeigt mir auch noch, wo ich hier Natto finden kann, was ich bisher immer übersehen hatte, und wir nehmen auch davon einen Packen mit. Unglaublich, nur 78 Yen, also umgerechnet rund 60 Cent für drei dieser Schachteln - in München zahlt man dafür 3 Euro. Ich bin gespannt, wie Natto wohl direkt aus dem Erzeugerland schmecken wird. An der Kasse brauchen wir keine Tüte, was mir zwei Extra-Punkte für meine Bonuskarte einbringt - der Öko-Bonus. Sehr schön. Wenn ich hier nur noch umgerechnet rund 400 Euro ausgebe, bekomme ich schon meinen Bonus ausgezahlt: 4,50 Euro zurück. Na, ob ich das in diesen 3 Monaten schaffe?

Auf dem Rückweg nochmal kurz im 100 Yen Shop vorbei. Die Preise sind so verlockend, daß man am liebsten sofort den ganzen Laden leerkaufen möchte, während man sich der Illusion hingibt, kein Geld auszugeben. Immer wieder beeindrucken mich die handgefertigten Porzellan-Schalen, -Tassen, -Teller und Kannen, die bei uns das zehnfache kosten würden. Wir kaufen nur noch ein wenig Öl und gehen dann noch schnell bei der Wäscherei vorbei. Unglaublich, die Wäsche ist tatsächlich fertig. War gar nicht so schwer, und hat auch gar nicht weh getan. Ich gönne mir nochmal 100 Yen für 10 Minuten trockner, da ich bei den Temperaturen hier und dem ewigen Regen sonst wohl bis nächsten Monat warten dürfte, bis die Sachen trocken sind.


Zurück in meiner Wohnung - die übrigens genial gelegen ist! - macht sich Mayumi sofort ans Werk, das Essen zuzubereiten. Ich räume derweil mein Zimmer auf, rücke den Tisch in die Mitte, daß man gemütlich daran essen kann, und frage mich die ganze Zeit, wie ich es geschafft habe, daß es hier so unordentlich wirkt, obwohl ich nichts besitze und die Wohnung leer ist. Merkwürdig, scheinbar ist das mein geheimes Talent. Gerade als ich fertig bin, ruft Mayumi auch schon zum Essen. Es duftet vorzüglich und sieht genauso aus, wie ich es aus dem Restaurant kenne. Ich nehme den ersten Bissen uns lasse ihn mir im Mund zergehen. Es schmeckt nicht wie im Resaurant - es schmeckt sogar noch besser! Vielen Dank, Mayumi-chan! めっちゃおいしかったよ! 大きに! ^^


Später kommt mich Chico besuchen. Ihr Vater hatte dieses Wochenende Geburtstag, weswegen Sie von Tôkyô nach Ôsaka gekommen ist. Ich freue mich, sie nach rund einem halben Jahr endlich wieder zu sehen. 久しぶり! Zusammen gehen wir in ein Restaurant, wo wir noch mit Jun'ichi, Satoko und David verabredet sind.


David kommt aus Australien und studiert hier an der Osaka Universität Pharmacie. Inzwischen ist er bereits seit 2 Jahren hier und hat kürzlich den JLPT Level 2 Test bestanden. いいな~~

Das Restaurant liegt in Nipponbashi, wie immer gut zu Fuß erreichbar von meiner Wohnung aus. Der Hauptgang sind kleine Spieße, an denen verschiedene Fleischsorten stecken, die direkt am Tisch über einem heißen Grill in der Mitte zubereitet werden. Dazu gibt es Teigtaschen, deren japanischen Namen ich immer vergesse, grünes Gemüse, Rührei mit Tomaten und ein wenig Kimuchi. Alles in allem außerordentlich lecker.

Montag, 8. März 2010

Leckereien in Namba

Unglaublich! Ich habe keinerleit Probleme, mich am Umeda Bahnhof zurecht zu finden, der gefühlt vermutlich ungefähr fünfmal so groß ist, wie Namba. Außerdem bin ich ja tatsächlich ständig hier, aber dennoch muß ich zu meiner eigenen Überraschung eingestehen, daß der Bahnhof von Namba irgendwie komplizierter ist. Das liegt vermutlich daran, daß die Schilder zwischendrin plötzlich aufhören, und später irgendwo wieder anfangen. Sehr merkwürdig.

Nichts desto trotz habe ich es pünktlich geschafft, am Eingang zur Kintetsu Line anzukommen, wo ich mich heute mir Mariko treffe. Ich zücke mein Handy, um ihr zu schreiben, wo ich auf sie warte, da kommt sie mir auch schon entgegen.

Wie bei großen japanischen Bahnhöfen üblich, ist auch hier der Untergrund voll von Geschäften und Restaurants. Nach einigem Suchen kommen wir an einem Café vorbei, das Mariko sehr gut gefällt, und welches sie kennt. Ich bin für alles offen und nehme gerne ihren Vorschlag an - vor allem auch, weil mich die lecker aussehenden Waffeln im Schaufenster anlachen.


Mariko bestellt sich eine Portion Reis, mit Curry, Käse und Ei überbacken. Das Gericht sieht auch sehr lecker aus, aber ich habe mir zum Mittagessen bereits Curry-Reis gemacht - ein Hoch auf meine Mikrowelle und die Fertigpackungen aus dem 100 Yen Shop. Ich folge meinem ursprünglichen Instinkt und lasse mir die Waffeln mir Eis, Sahne, Banane und Maroni bringen. Ich glaube, das ist das ungesundeste, was ich bisher in Japan gegessen habe. Aber was soll's, es ist auf jeden Fall unglaublich lecker. めっちゃおいしい~~!


Nach den Waffeln habe ich immer noch Hunger. Die Optionen sind, selbst daheim zu kochen, oder mal wieder auswärts zu essen. Nun bin ich schon zwei Wochen hier (und erschrecke mal wieder, wie schnell die Zeit vergeht), und habe noch kein einziges Mal Takoyaki gegessen! Außerdem hatte ich heute mittag ja mal wieder Curry-Reis aus der Mikrowelle, daher fällt die Entscheidung ist nicht schwer: Ich habe Lust auf Teigbälle mit Tintenfischfuß. Klingt komisch - ist aber so. Im amerikanischen Viertel gibt es zwei Buden direkt nebeneinander, die diese Köstlichkeit anbieten, und das auch noch zum Spottpreis: sechs Stück für nur 300 Yen. Ich freue mich über den Entschluß und laß es mir schmecken. いただきます!

Sonntag, 7. März 2010

Masatake und Co.

Heute ist es saukalt. Ich sitze in meiner Wohnung und friere ein bißchen vor mich hin. Ich muß lernen, also höre ich mir die CD's von "Minna no Nihongo" an, und schaue noch eine Folge von "Hana yori dango" an. Für heute Abend bin ich mit Masatake verabredet, der mit ein paar Freunden zum Abendessen gehen will und mich freundlicherweise mitnimmt. Ich freue mich, ihn nach anderthalb Jahren wieder zu sehen. Der Treffpunkt ist glücklicherweise ganz in der Nähe - meine Wohnung liegt wirklich genial! - und um kurz vor sieben mache ich mich auf den Weg.


Ich warte im Daimaru-Kaufhaus auf Masatake. Als er auftaucht, ziehen wir gleich weiter, sammeln noch ein paar Mädels ein und gehen los ins "Hyper Active Child", einem kleinen aber ziemlich stylischen Restaurant. Von außen ist die Location wie immer nicht zu erkennen, da sie in einem ganz gewöhnlichen Haus im dritten Stock liegt. In Japan ist es oft so, daß man in einer ganz gewöhnlichen Straße umgeben von Wohnhäusern und Geschäften steht, und nur an den Türschildern erkennt, daß sich in den verschiedenen Etagen auch mehrere Bars, Restaurants oder Clubs befinden. Für Außenstehende, Nicht-Ortskundige und gewöhnliche Touristen also quasi kaum zu entdecken.


Wir machen es uns an unserem Tisch gemütlich. Fälschlicherweise setze ich mich neben Masatake, woraufhin ich von Juko-Chan darauf aufmerksam gemacht werde, daß wir die Sitzordnung nocheinmal verändern müssen, damit immer abwechselnd ein Junge und ein Mädchen sitzen.


Momentan sind wir noch zu fünft, aber später kommen noch vier andere Kerle dazu, und die drei Mädchen sind in der Unterzahl, was auch die Sitzordnung schließlich nichtig macht.


Dennoch wird nach einer Stunde oder so der ganze Tisch einmal durchgemischt. Ungewöhnlich, aber eine gute Idee, so ist man  nicht gezwungen, mit langweiligen Gesprächspartnern festzustecken, falls man Pech hatte.


Mir ist allerdings alles Recht, und ich habe keinen Grund, mich zu beklagen. Ich befinde mich in bester Gesellschaft und genieße einen phantastischen Abend in dieser lustigen Runde, die ich allesamt sofort in mein Herz schließe, während ich mir die Gaumenfreuden im Mund zergehen lasse und mich irgendwann später schließlich rundum zufrieden und glücklich und ちょっとよっぱらい auf den Heimweg mache...

Samstag, 6. März 2010

Universität Osaka

Ich wache früh auf. Heute darf ich Mayumi zur Uni von Osaka begleiten, in der heute eine kleine Abschiedsparty für die Germanistik-Studenten stattfindet. Ich freue mich darauf, mal eine japanische Universität sehen und ein paar neue Leute treffen zu können. Der Regen, der mal wieder die ganze Nacht auf die Dächer geprasselt hat, hat inzwischen fast aufgehört, und da ich noch viel Zeit habe, beschließe ich, die rund vier Kilometer bis zum Bahnhof Umeda zu Fuß zu gehen. Ausgerüstet bin ich mit meinem durchsichtigen Plastik-Schirm, der mich laut Tobi schon zum Japaner qualifiziert.


Der Weg ist einfach - ich muß immer nur geradeaus gehen. Nach einer guten halben Stunde sehe ich einen U-Bahn-Eingang, auf dem 西梅田 steht. "Wunderbar!" denke ich mir, ich bin schon da. Eine halbe Stunde zu früh. Ich steige die Treppen hinunter und suche nach der Midosouji-Line, da ich eigentlich dort rausgekommen wäre, hätte ich die U-Bahn genommen. Von dort aus muß ich weiter zur Hankyu-Line, da wir uns dort treffen, um mit dem Zug weiter nach Ishibashi zu fahren, wo die Uni liegt. Kurz überlege ich, ob ich Mayumi schreiben soll, daß ich schon da bin, aber ich möchte sie nicht unnötig stressen, also reihe ich mich einfach in den Menschenstrom ein und suche nach dem Treffpunkt.

Nachdem ich die Treppen hinunter gestiegen bin, laufe ich nochmal rund 20 Minuten unterirdisch weiter, bis ich endlich am richtigen Gleis ankomme. Obwohl ich den direkten Weg genommen habe, sind aus den 30 Minuten, die ich zu früh da war, nun nur noch 10 Minuten geworden. Umeda ist wirklich riesig. Dennoch bin ich ein bißchen stolz, alles so problemlos gefunden zu haben, und kurz darauf sitzen wir bereits im Zug und fahren los.

Weitere 20 Minuten später kommen wir in Ishibashi an und ich bin erstaunt, welche Anfahrtswege die Studenten teilweise in Kauf nehmen. Eine Freundin von Mayumi kommt jeden Tag aus Himeji angereist und ist damit in einfacher Richtung 2 Stunden lang unterwegs. しんじられない! ("Unglaublich!")


Der Eingang des Universitätgeländes wird von einem imposanten Stein geschmückt, auf dem die Gravur 大阪大学 ("Osaka Universität") zu lesen ist. Die ersten beiden Kanji (Osaka) sind leicht zu erkennen: Manschgerl - scharfes S - Klappstuhl.

Kurz darauf betreten wir die Seminarräume der Fakultät für Germanistik, wo bereits ein paar Leute am vorbereiten sind. Das ganze ist im kleinen, gemütlichen Rahmen, und ich schäme mich ein wenig angesichts dessen, daß diese Studenten wohl alle mehr der großen, deutschen Literatur gelesen haben, als ich. Ich helfe noch ein wenig beim vorbereiten und wir verteilen die Teller auf den Tischen. Es gibt allerlei Leckereien, Yakitori, Salat, Würstchen, Brot, Wurst und Käse, Kuchen, und so weiter...


Zur Einführung gibt es ein paar kurze Reden von diversen Professoren und einigen Studenten - wahrscheinlich soetwas wie die "Klassensprecher", vermute ich. Natürlich werde auch ich als Gast aus Deutschland gebeten, mich kurz vorzustellen und ein paar Worte zu sagen. Naheliegend, da einige der Studenten gerade wohl zum ersten Mal mit einem "echten Deutschen" konfrontiert werden. Also erzähle ich kurz - auf Deutsch - warum ich hier bin, und wünsche den Absolventen viel Glück und alles Gute für ihre weitere Zukunft. Wie bei meinen Vorrednern werden auch meine Worte mit einem kleinen Applaus honoriert. Dabei ich kann mich nicht der Frage erwehren, inwieweit die Anwesenden ob meiner Worte genaus ratlos waren, wie ich bei den Ansprachen der Professoren, und das Klatschen reine Höflichkeit ist. Glücklicherweise verursacht mir diese Frage kein Kopfzerbrechen, und ich gebe mir Mühe, den Gesprächen um mich herum zu folgen, während ich die Köstlichkeiten genieße.



Ich unterhalte mich auch etwas länger mir zwei der Anwesenden, die schon etwas älter als die Absolventen sind. Jiro arbeitet als Deutschlehrer, aber wie so oft ist auch er eher zurückhaltend, wenn es um das Sprechen geht. Japaner sind im allgemeinen oft eher schüchtern, wenn es darum geht, in einer Fremdsprache zu sprechen, da sie sich wegen ihrer Aussprache schämen und Angst davor haben, Fehler zu machen. Ich wundere mich ein wenig darüber, wie man als Deutschlehrer arbeiten kann, wenn man die Sprache nicht sprechen kann, aber ich erfahre, daß er eher darauf wert legt, den Studenten die Grammatik beizubringen. Für Konversation müssen sie wohl einen anderen Kurs besuchen.

Danach kommt Mariko auf mich zu und spricht mich in relativ akzentfreiem Deutsch an, was mich sehr überrascht. Ich erfahre, daß sie bereits ein Jahr in München gelebt hat, weswegen sie auch fit in Umgangssprache und einigen bayrischen Floskeln ist. Dennoch ist sie natürlich übertrieben Bescheiden und behauptet beharrlich, nicht gut Deutsch sprechen zu können. Was wäre ich nicht glücklich, wenn mein Japanisch so "schlecht" wäre, wie ihr Deutsch... Da wir uns gut verstehen und sie schon seit längerem auf der Suche nach einem Tandempartner ist, verabreden wir uns nochmal für die kommende Woche, um beide ein wenig Konversationstraining zu haben.

Nach den Feierlichkeiten mache ich mich auf den Heimweg. Ich möchte den Nachhauseweg wieder zu Fuß antreten, und versuche, in dem Untergrundgewirr wieder den richtigen der unzhligen Ausgänge zu finden. Glücklichweise fühle ich mich schon relativ sich. Rund eine Viertelstunde später erreiche ich einen Ausgang, der mich genau auf die gewünschte Straße führt. Ich komme zurück an die Oberfläche und erkenne sofort die Mizuho-Bank, an der ich auch dem Herweg vorbeigekommen bin. Perfekt, meine Orientierung funktioniert noch.

Auf dem Heimweg kehre ich - endlich! - noch kurz bei Yoshinoya ein und gönne mir nochmals eine Portion Gyudon zum Abendessen. Dennoch glaube ich, daß mein ursprünglicher Favorit seinen Meister gefunden hat: das Matsuya ist nochmal ein Stückchen billiger, außerdem bekomme ich eine Misosuppe dazu. Obendrein liegt es für mich einfach geschickter. Aber ich will nicht meckern, ich genieße mein Essen und kehre gesättigt nach Hause zurück.

Freitag, 5. März 2010

Alltag

Eigentlich habe ich heute keine besonderen Pläne. Ich friere in meiner Wohnung. Sie ist zwar wunderschön und die Lage ist perfekt, aber leider haben die Japaner noch nie was von Isolation gehört. Daher freue ich mich auf meine heiße Dusche!

Danach knurrt mein Magen. Gestern war Schmalhans Küchenmeister, so führt mich mein erster Weg mal wieder zum Einkaufen. Eigentlich hatte mich das leckere Melon Pan mit Schokostückchen auf dem 100 Yen Shop um die Ecke gelockt, aber ich beschließe mich doch, die Punktekarte bei meinem Supermarkt weiter aufzufüllen. Das System funktioniert, und die Kundenbindung zeigt ihre Wirkung. Dort lasse ich wieder ein kleines Vermögen, aber dafür habe ich nun auch Frühstück für die nächsten Tage.

Während ich mir wieder zu Hause mein Schoko-Gebäck schmecken lasse, lerne ich nebenher ein wenig. Einerseits in Form von japanischen Serien, die ich mir auf dem Laptop anschaue, aber auch ganz brav mit den Büchern, die ich mir von Michiko-Sensei ausgeliehen habe. Allerdings ist das Plunder-Teil doch etwas zu süß und etwas zu mächtig, weswegen ich meine Geschmacksnerven mit einem deftigen Onigiri besänftige.


Danach spüre ich den Drang, die Aussicht hinter meinem "geheimnissvollen" gelben Vorhang für die Nachwelt zu dokumentieren. Das Ergebnis erinnert stark an die Aussicht aus meinem Fenster - statt schöner, weiter Lanfschaften und endloser Weite empfängt mich hier auch nur der Blick auf ein weiteres Gebäude.


Aber das stört mich nicht. Wenn ich auf dem Balkon links um die Ecke schaue, kann ich mein Fenster von außen bewundern, und ebenso das angrenzende Gebäude in seiner ganzen Pracht. Erneut amüsiere ich mich über die Bauweise der Japaner.


Ich beende das Lernen und mache mich auf den Weg zu Michiko-Sensei zu meiner ersten echten Unterrichtsstunde nach der Trial Lesson. Glücklicherweise ist es sehr nah; zu Fuß brauche ich gerade mal 3 Minuten, um dorthin zu kommen. Sehr praktisch. Heute läuft es auch schon ein bißchen besser - hat sich das Lernen denn schon bewährt? Ich bin guter Dinge und frisch motiviert. Manchmal geht es mir noch zu langsam, aber ich muß mich wohl in Geduld üben...

 

Den restlichen Tag verbringe ich  mit Kochen, Videos schauen, und zur Bank gehen. Auf dem Rückweg mache ich einen kurzen Zwischenstopp in America Mura. Die Takoyaki lachen mich an, außerdem habe ich dieses Mal noch keine gegessen. Dabei handelt es sich um kleine Teigbällchen, in denen als wichtigste Zutat ein Tintenfischfuß (tako = Tintenfisch) steckt. Da ich aber noch die Hälfte meiner Sojabohnen vom Mittagessen zu Hause übrig habe, verzichte ich für heute darauf.

Meine Freunde haben heute leider keine Zeit, aber mich zieht es nach draußen. Ich streife einmal um den Block, da mich die Jazzbar um die Ecke lockt. Schließlich kehre ich aber doch um und kehre zurück zu dem kleinen Café direkt am Ende der Straße, in der meine Wohnung liegt. Jeden Tag sehe ich es von außen, und die Atmosphäre wirkt einladend und gemütlich. 「いいふんいき。」 wie die Japaner sagen würden. Ich betrete den Abend und bin der einzige Gast. Möglicherweise ergibt sich die Gelgenheit auf ein nettes Gespräch mit der Bedienung, immerhin bin ich hier, um die Sprache zu lernen und zu trainieren!


Als einziger Gast habe ich natürlich freie Platzwahl. Ich ziehe also, wie in Japan üblich, meine Schuhe aus, und nehme auf der kleinen Empore an dem kleinen Tisch in der Ecke Platz, ab dem es keine Stühle gibt, und man auf dem Boden sitzt. Aus den Lautsprechern klingt entspannende Jazzmusik, und ich freue mich, doch  noch meinen Musikwunsch erfüllt zu bekommen. Und abermals denke ich mir: 号全じゃない、運命だ! 

Mit meinem Buch mache ich es mir bei einem Bier gemütlich und entspanne ein bißchen. Von was eigentlich? Keine Ahnung, dennoch ist es hier wirklich angenehm, und ich freue mich, meine vielleicht zukünftige Stammkneipe direkt vor meiner Haustür gefunden zu haben.

Donnerstag, 4. März 2010

Schweden in Osaka

Heute ist es endlich soweit! Mein Plan steht fest: endlich werde ich mir die fehlenden Sachen besorgen, die nötig sind, damit meine Wohnung endlich vollständig ist. Dazu gehören ein paar Küchenutensilien, wie Töpfe, Messer und Gläser, aber allen voran freue ich mich auf den Tisch, auf den ich schon lange scharf bin, seit ich ihn das erste Mal bei Nico (noch in München) gesehen habe. Kreuzschmerzen adieu!

Das Wetter ist trüb, und ich frage mich, ob ich mir den richtigen Tag für diese Aktion ausgesucht habe. Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr, ich will endlich eine fertige, voll funktionstüchtige Wohnung haben! Glücklicherweise gibt es einen kostenlosen Shuttle-Bus, der von Namba direkt zum Ikea fährt, und abermals - wie eigentlich jeden Tag - freue ich mich über die geniale Lage meiner Wohnung. Außerdem ist Mayumi extra vorbei gekommen, um mich zu begleiten und mir ein bißchen zu helfen. Wir laufen also wie immer nach Namba und fragen uns dort durch. Im Maklerbüro springen gleich fünf Angestellte auf und begrüßen uns, und wollen uns am liebsten gleich jeder eine Wohnung verkaufen. Daß ich nur den Weg zum Ikea-Bus erfragen möchte, ist auch nicht weiter schlimm, und alle wollen mir gleichzeitig Auskunft geben. Die Verwunderung darüber, daß der Gaijin das Wort an die Japaner richtet, anstatt seiner einheimischen Begelitung, steht den Leuten ins Gesicht geschrieben, was mich natürlich amüsiert. Ich bedanke mich höflich und gehe weiter in die angegebene Richtung. Noch einmal beim nächsten Parkplatzwächter nachgefragt, und kurz darauf sehen wir bereits den Bus vor uns.

 
Die Fahrt zum Ikea dauert ca. 20 Minuten. Dort angekommen stelle ich fest, daß er sich kaum von unserem Ikea unterscheidet - und vermutlich auch kaum von allen anderen auf der Welt. Einziger Unterschied sind natürlich die Kanji und Kana, die inmitten all dieser schwedischen Möbel irgendwie befremdlich wirken.


Ich versuche mir vorzustellen, wie ein Billy und ein Poäng und ein Hurvinek (oder wie sie alle heißen mögen) sich wohl in einem traditionellen, japanischen Tatami-Zimmer machen, und scheitere kläglich andem verzerrten Bild, das dabei entsteht. Mayumi klärt mich auf, daß Japaner ohnehin nicht so sehr auf Tatamitzimmer stehen, sondern den westlichen Stil vorziehen, was ich wiederum überhaupt nicht nachvollziehen kann. Scheinbar liegt es in der Natur des Menschen, immer das zu wollen, was man nicht hat. 信じられない!

Es ist wirklich lästig, sich einzudecken, wenn man nur drei Monate Zeit hat, um die Sachen auch zu nutzen, sie danach aber alle nicht mitnehmen kann. Meine Erfahrungen mit dem 100 Yen Shop haben mich gelehrt, daß sich auch kleine Beträge schnell zusammenläppern können, und so wäge ich wohl ab, was ich wirklich brauche, und was nicht. Natürlich fällt mir dies schwer angesichts der vielen günstigen Angebote. Im Ikea gibt es wirklich vieles, was man zwar vielleicht nicht unbedingt brauchst, was aber doch gaz nett wäre. Aber schnell mal 499 Yen hier, 799 Yen dort, wird schnell zu einem kleinen Vermögen, und so versuche ich mich also auf's Wesentlichste zu beschränken. Wer braucht schon Messer und Gabeln? Hey, ich bin in Japan, und mit Stäbchen habe ich mich bereits eingedeckt. Lediglich bei den Schüsseln bin ich "dekadent" und entscheide mich gegen die mausgrauen Schüsseln vom Ikea für 59 Yen bzw 89 Yen, und beschließe, doch lieber wieder im 100 Yen Shop zuzuschlagen. Die Schüsseln dort sind eindeutig schöner, handgemacht (zumindest sehen sie so aus), und den Luxus von rund 0,30 Euro mehr kann sogar ich mir leisten...

Neben einigen Kleinigkeiten, die einfach mitmüssen, habe ich zwei Käufe gemacht, über die ich mich besonders freue: Ich kaufe mir einen schönen, soliden Wok, um endlich zu Hause kochen zu können. Dieser erscheint mir weitaus sinnvoller, als das 3-Pfannen-Set (999 Yen, entpricht rund 8 Euro), von denen ich zwei ohnehin nicht nutzen würde, da 1 Liter und 1,5 Liter wirklich winzig sind. In dem Wok ist genug Platz, um eine Nabe-Party für 4 Leute auszurichten, und mit gerade mal 699 Yen ist er fast geschenkt. Mayumi hat etwas Schwierigkeiten, mich zu verstehen, als ich angesichts des unglaublichen Preis-Leistungsverhältnisses stolz proklamiere: "Dieser Wok kostet nichtmal was!"

Meine wichtigste Errungenschaft des Tages ist der schöne Tisch, den ich mir kaufe, gehalten in dunklem Braun. Das wirkt edel, paßt gut zu meinem Tatami-Zimmer, ist nicht so düster wie die schwarze Version, und wirkt gleichzeitig nicht so billig wie der weiße Tisch. Ich fühle mich wie ein Kind an Weihnachten, als ich den Bausatz in den Wagen lege, nachdem ich nun schon eine ganze Weile darauf spekuliert hatte. Ich greife also noch ein letztes Mal tief - naja, halb-tief - in die Tasche, um die Sachen zu bezahlen, aber freue mich darüber, endlich eine fertig eingerichtete Wohnung zu haben.

Bevor es zurück nach Hause geht, werden noch schnell ein paar obligatorische Ikea-Hotdogs mit übertrieben viel Gurke, Röstzwiebeln und Senf und Ketchup verputzt. Bevor der Shuttle-Bus zurück kommt, bleibt noch Zeit für einen kurzen Abtecher in den Ikea-Süßikeiten-Shop. Die genialen Kekse kosten zwar ein Vermögen und schlagen mit 799 Yen teurer zu Buche als der Wok, aber da dies eine einmalige Gelgeneheit ist, kann ich nicht widerstehen. Mayumi muß auch lachen, als sie sieht, wie ich ohne zu zögern soviel Geld für die Kekse ausgegeben habe, mir vorher bei viel kleineren Beträgen aber noch den Kopf zerbrochen habe. Aber was soll ich machen - bei Süßem werde ich einfach schwach...

Wieder zurück in Namba - habe ich schon erwähnt, daß die Lage meiner Wohnung super ist? - kann ich es kaum erwarten, endlich den Tisch aufzubauen. Von meinem Vermieter konnte ich mir einen Schraubenzieher leihen, den er mir freundlicherweise im Briefkasten hinterlassen hat - ich hatte ihn vorher bereits per SMS gefragt. Schraubenzieher heißt übrigens ねじまわし und ich verzweifle fast an dem Wort. Egal, ich fange an zu schrauben und baue meinen Tisch auf - merkwürdig, ich glaube mich nicht erinnern zu können, mich jemals derart auf ein einfaches Möbelstück gefreut zu haben...


Da steht er nun also in seiner ganzen Schönheit, und ich bin glücklich. Endlich muß ich nicht mehr auf dem Boden arbeiten, und mein Koffer, der bisher als Laptop-Tisch diente, gehört auch der Vergangenheit an und kann endlich im Schrank ausser Sichtweite verschwinden. Damit sollte dann das letzte Gefühl von "Reise" verschwinden, und das "Wohnen" kann beginnen. Wie heißt es auch bei Ikea so schön:
"Schraubst du noch, oder wohnst Du schon?"

Mittwoch, 3. März 2010

Okonomiyaki mit Izumi

Nach der Arbeit kommt mich Izumi besuchen. Wir treffen uns am Bahnhof bei mir um die Ecke. 久しぶり, aber eigentlich haben wir uns ja erst vor kurzem an Silvester gesehen. Ich glaube, kein Japaner ist so oft in Deutschland, wie Izumi. Scheint ihr wirklich dort zu gefallen...

Zusammen laufen wir nach Namba, wo wir uns mit Yuji uns Izumi's Kollegin Mayu-San treffen wollen. Die beiden sagen aber ab, und so machen wir uns allein auf die Suche nach einem leckeren Restaurant. Ein Glück, inzwischen hat Izumi auch Hunger bekommen, also laufen wir ein Stück durch den Namba Walk und schauen, ob uns etwas zusagt. Izumi führt mich zu einem Restaurant, welches ganz bekannt für sein Okonomiyaki sein soll. Das ist eine Art dicker Pfannkuchen, in dem alles mögliche drin ist, vom Schwein über Fisch bis zu Gemüse. Das ganze wird auf dem Tisch serviert, der in der Mitte aus einer heißen Platte besteht, die von unten beheizt wird. Obendrein essen wir noch 焼きそば (gebratene Nudeln), und etwas, wovon wir beide nicht wissen, was es ist. Egal, auf dem Bild sieht es lecker aus - wir sind typische Opfer der Werbung. Hmm, schmeckt etwas knorpelig. Die Kellnerin weiß auch nicht, was sie uns da eigentlich gebracht hat, aber auf Nachfrage beim Chef erfahren wir, daß wir gerade Hühnerleber essen. Ist zwar nicht schlecht, aber auch nichts, was man regelmäßig bräuchte.

 

Das Essen ist insgesamt ausgesprochen lecker - aber vielleicht bin ich auch voreingenommen und bringe eine gewisse Grund-Euphorie für alles japanische mit. Wir lassen es uns schmecken und vergessen beim Ratschen die Zeit. Plötzlich merken wir, daß es schon 10 Uhr ist - eigentlich noch nicht so spät, aber in einer so großen Stadt sind die Heimwege immer etwas länger und zeitaufwändiger (außer wenn man so günstig gelegen wohnt, wie ich!). Nach einem leckeren Mahl und einem freudigen Wiedersehen trennen sich unsere Wege also wieder. Izumi fährt mit der U-Bahn und der JR nach Hause, und ich trete wie gewohnt meinen Nachhauseweg zu Fuß an.