Samstag, 6. März 2010

Universität Osaka

Ich wache früh auf. Heute darf ich Mayumi zur Uni von Osaka begleiten, in der heute eine kleine Abschiedsparty für die Germanistik-Studenten stattfindet. Ich freue mich darauf, mal eine japanische Universität sehen und ein paar neue Leute treffen zu können. Der Regen, der mal wieder die ganze Nacht auf die Dächer geprasselt hat, hat inzwischen fast aufgehört, und da ich noch viel Zeit habe, beschließe ich, die rund vier Kilometer bis zum Bahnhof Umeda zu Fuß zu gehen. Ausgerüstet bin ich mit meinem durchsichtigen Plastik-Schirm, der mich laut Tobi schon zum Japaner qualifiziert.


Der Weg ist einfach - ich muß immer nur geradeaus gehen. Nach einer guten halben Stunde sehe ich einen U-Bahn-Eingang, auf dem 西梅田 steht. "Wunderbar!" denke ich mir, ich bin schon da. Eine halbe Stunde zu früh. Ich steige die Treppen hinunter und suche nach der Midosouji-Line, da ich eigentlich dort rausgekommen wäre, hätte ich die U-Bahn genommen. Von dort aus muß ich weiter zur Hankyu-Line, da wir uns dort treffen, um mit dem Zug weiter nach Ishibashi zu fahren, wo die Uni liegt. Kurz überlege ich, ob ich Mayumi schreiben soll, daß ich schon da bin, aber ich möchte sie nicht unnötig stressen, also reihe ich mich einfach in den Menschenstrom ein und suche nach dem Treffpunkt.

Nachdem ich die Treppen hinunter gestiegen bin, laufe ich nochmal rund 20 Minuten unterirdisch weiter, bis ich endlich am richtigen Gleis ankomme. Obwohl ich den direkten Weg genommen habe, sind aus den 30 Minuten, die ich zu früh da war, nun nur noch 10 Minuten geworden. Umeda ist wirklich riesig. Dennoch bin ich ein bißchen stolz, alles so problemlos gefunden zu haben, und kurz darauf sitzen wir bereits im Zug und fahren los.

Weitere 20 Minuten später kommen wir in Ishibashi an und ich bin erstaunt, welche Anfahrtswege die Studenten teilweise in Kauf nehmen. Eine Freundin von Mayumi kommt jeden Tag aus Himeji angereist und ist damit in einfacher Richtung 2 Stunden lang unterwegs. しんじられない! ("Unglaublich!")


Der Eingang des Universitätgeländes wird von einem imposanten Stein geschmückt, auf dem die Gravur 大阪大学 ("Osaka Universität") zu lesen ist. Die ersten beiden Kanji (Osaka) sind leicht zu erkennen: Manschgerl - scharfes S - Klappstuhl.

Kurz darauf betreten wir die Seminarräume der Fakultät für Germanistik, wo bereits ein paar Leute am vorbereiten sind. Das ganze ist im kleinen, gemütlichen Rahmen, und ich schäme mich ein wenig angesichts dessen, daß diese Studenten wohl alle mehr der großen, deutschen Literatur gelesen haben, als ich. Ich helfe noch ein wenig beim vorbereiten und wir verteilen die Teller auf den Tischen. Es gibt allerlei Leckereien, Yakitori, Salat, Würstchen, Brot, Wurst und Käse, Kuchen, und so weiter...


Zur Einführung gibt es ein paar kurze Reden von diversen Professoren und einigen Studenten - wahrscheinlich soetwas wie die "Klassensprecher", vermute ich. Natürlich werde auch ich als Gast aus Deutschland gebeten, mich kurz vorzustellen und ein paar Worte zu sagen. Naheliegend, da einige der Studenten gerade wohl zum ersten Mal mit einem "echten Deutschen" konfrontiert werden. Also erzähle ich kurz - auf Deutsch - warum ich hier bin, und wünsche den Absolventen viel Glück und alles Gute für ihre weitere Zukunft. Wie bei meinen Vorrednern werden auch meine Worte mit einem kleinen Applaus honoriert. Dabei ich kann mich nicht der Frage erwehren, inwieweit die Anwesenden ob meiner Worte genaus ratlos waren, wie ich bei den Ansprachen der Professoren, und das Klatschen reine Höflichkeit ist. Glücklicherweise verursacht mir diese Frage kein Kopfzerbrechen, und ich gebe mir Mühe, den Gesprächen um mich herum zu folgen, während ich die Köstlichkeiten genieße.



Ich unterhalte mich auch etwas länger mir zwei der Anwesenden, die schon etwas älter als die Absolventen sind. Jiro arbeitet als Deutschlehrer, aber wie so oft ist auch er eher zurückhaltend, wenn es um das Sprechen geht. Japaner sind im allgemeinen oft eher schüchtern, wenn es darum geht, in einer Fremdsprache zu sprechen, da sie sich wegen ihrer Aussprache schämen und Angst davor haben, Fehler zu machen. Ich wundere mich ein wenig darüber, wie man als Deutschlehrer arbeiten kann, wenn man die Sprache nicht sprechen kann, aber ich erfahre, daß er eher darauf wert legt, den Studenten die Grammatik beizubringen. Für Konversation müssen sie wohl einen anderen Kurs besuchen.

Danach kommt Mariko auf mich zu und spricht mich in relativ akzentfreiem Deutsch an, was mich sehr überrascht. Ich erfahre, daß sie bereits ein Jahr in München gelebt hat, weswegen sie auch fit in Umgangssprache und einigen bayrischen Floskeln ist. Dennoch ist sie natürlich übertrieben Bescheiden und behauptet beharrlich, nicht gut Deutsch sprechen zu können. Was wäre ich nicht glücklich, wenn mein Japanisch so "schlecht" wäre, wie ihr Deutsch... Da wir uns gut verstehen und sie schon seit längerem auf der Suche nach einem Tandempartner ist, verabreden wir uns nochmal für die kommende Woche, um beide ein wenig Konversationstraining zu haben.

Nach den Feierlichkeiten mache ich mich auf den Heimweg. Ich möchte den Nachhauseweg wieder zu Fuß antreten, und versuche, in dem Untergrundgewirr wieder den richtigen der unzhligen Ausgänge zu finden. Glücklichweise fühle ich mich schon relativ sich. Rund eine Viertelstunde später erreiche ich einen Ausgang, der mich genau auf die gewünschte Straße führt. Ich komme zurück an die Oberfläche und erkenne sofort die Mizuho-Bank, an der ich auch dem Herweg vorbeigekommen bin. Perfekt, meine Orientierung funktioniert noch.

Auf dem Heimweg kehre ich - endlich! - noch kurz bei Yoshinoya ein und gönne mir nochmals eine Portion Gyudon zum Abendessen. Dennoch glaube ich, daß mein ursprünglicher Favorit seinen Meister gefunden hat: das Matsuya ist nochmal ein Stückchen billiger, außerdem bekomme ich eine Misosuppe dazu. Obendrein liegt es für mich einfach geschickter. Aber ich will nicht meckern, ich genieße mein Essen und kehre gesättigt nach Hause zurück.

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