Danach knurrt mein Magen. Gestern war Schmalhans Küchenmeister, so führt mich mein erster Weg mal wieder zum Einkaufen. Eigentlich hatte mich das leckere Melon Pan mit Schokostückchen auf dem 100 Yen Shop um die Ecke gelockt, aber ich beschließe mich doch, die Punktekarte bei meinem Supermarkt weiter aufzufüllen. Das System funktioniert, und die Kundenbindung zeigt ihre Wirkung. Dort lasse ich wieder ein kleines Vermögen, aber dafür habe ich nun auch Frühstück für die nächsten Tage.
Während ich mir wieder zu Hause mein Schoko-Gebäck schmecken lasse, lerne ich nebenher ein wenig. Einerseits in Form von japanischen Serien, die ich mir auf dem Laptop anschaue, aber auch ganz brav mit den Büchern, die ich mir von Michiko-Sensei ausgeliehen habe. Allerdings ist das Plunder-Teil doch etwas zu süß und etwas zu mächtig, weswegen ich meine Geschmacksnerven mit einem deftigen Onigiri besänftige.
Danach spüre ich den Drang, die Aussicht hinter meinem "geheimnissvollen" gelben Vorhang für die Nachwelt zu dokumentieren. Das Ergebnis erinnert stark an die Aussicht aus meinem Fenster - statt schöner, weiter Lanfschaften und endloser Weite empfängt mich hier auch nur der Blick auf ein weiteres Gebäude.
Aber das stört mich nicht. Wenn ich auf dem Balkon links um die Ecke schaue, kann ich mein Fenster von außen bewundern, und ebenso das angrenzende Gebäude in seiner ganzen Pracht. Erneut amüsiere ich mich über die Bauweise der Japaner.
Ich beende das Lernen und mache mich auf den Weg zu Michiko-Sensei zu meiner ersten echten Unterrichtsstunde nach der Trial Lesson. Glücklicherweise ist es sehr nah; zu Fuß brauche ich gerade mal 3 Minuten, um dorthin zu kommen. Sehr praktisch. Heute läuft es auch schon ein bißchen besser - hat sich das Lernen denn schon bewährt? Ich bin guter Dinge und frisch motiviert. Manchmal geht es mir noch zu langsam, aber ich muß mich wohl in Geduld üben...
Meine Freunde haben heute leider keine Zeit, aber mich zieht es nach draußen. Ich streife einmal um den Block, da mich die Jazzbar um die Ecke lockt. Schließlich kehre ich aber doch um und kehre zurück zu dem kleinen Café direkt am Ende der Straße, in der meine Wohnung liegt. Jeden Tag sehe ich es von außen, und die Atmosphäre wirkt einladend und gemütlich. 「いいふんいき。」 wie die Japaner sagen würden. Ich betrete den Abend und bin der einzige Gast. Möglicherweise ergibt sich die Gelgenheit auf ein nettes Gespräch mit der Bedienung, immerhin bin ich hier, um die Sprache zu lernen und zu trainieren!
Als einziger Gast habe ich natürlich freie Platzwahl. Ich ziehe also, wie in Japan üblich, meine Schuhe aus, und nehme auf der kleinen Empore an dem kleinen Tisch in der Ecke Platz, ab dem es keine Stühle gibt, und man auf dem Boden sitzt. Aus den Lautsprechern klingt entspannende Jazzmusik, und ich freue mich, doch noch meinen Musikwunsch erfüllt zu bekommen. Und abermals denke ich mir: 号全じゃない、運命だ!
Mit meinem Buch mache ich es mir bei einem Bier gemütlich und entspanne ein bißchen. Von was eigentlich? Keine Ahnung, dennoch ist es hier wirklich angenehm, und ich freue mich, meine vielleicht zukünftige Stammkneipe direkt vor meiner Haustür gefunden zu haben.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen