Kurz danach verpasse ich meinen Vermieter am Telefon, was aber kein Problem ist, da er fünf Sekunden später ohnehin vor meiner Tür steht. In 10 Minuten kommt nocheinmal der Elektriker, um sich meine Klimaanlage anzuschauen, die einen monströsen Lärm macht. Um die Wartezeit zu überbrücken, starte ich den Kletterfilm PROGRESSION (danke an Uli!) auf meinem Rechner und mache mich ein bißchen frisch. Als die beiden dann kurz darauf wieder in meinem Zimmer stehen, läuft der Film noch und zieht bewundernde Blicke auf sich. Begeistert erzählt mein Vermieter dem Elektriker, daß ich auch ein Kletterer bin, was angesichts der Meisterleistungen von Chris Sharma und Co. natürlich auf Bewunderung stößt. Also kann ich es mir nicht verkneifen, den beiden noch ein paar Fotos von uns in Aktion zu zeigen, und Nakamura-San ist immer noch beeindruckt von Uli, dem Hünen. Jedesmal wenn er erwähnt wird, wird mit weit ausgestreckten Armen gezeigt, wie groß er ist und was für ein breites Kreuz er hat. Klar, in einen Uli passen ungefähr zwei durchschnittliche Japaner, und ich schmunzle über diese Euphorie.
Schließlich widmen wir uns dann doch noch der Klimaanlage, die lediglich ein bißchen geölt werden muß. Um zu sehen, ob das Problem damit behoben ist, lassen wir sie für ein paar Minuten auf Vollgas laufen und jagen 30° Hitze aus dem Gerät. Und siehe da: Der Mann versteht sein Geschäft und das fürchterliche Quietschen ist verschwunden. 電気やさん sei Dank.
Nach einem kurzen Abstecher zu meinem Stamm-Supermarkt, bei dem ich auch schon meine Punktesammelkarte habe, und - natürlich - mal wieder zum 100 Yen Shop bei mir um die Ecke, um ein paar Bananen und einen DVD-Rohling zu kaufen, warte ich auf meinen ersten Gast. Mayumi ist vor kurzem wieder aus München zurück nach Kobe gekommen (Nachbarort von Osaka) und ich freue mich, endlich jemandem mein Zimmer zeigen zu können. Während der Wartezeit brenne ich meinem Vermieter noch schnell den Kletterfilm, da ich mich für die ganze Hilfsbereitschaft seinerseits erkenntlich zeigen möchte. Als er mir die noch fehlende Tatami-Matte für das letzte freie Eck in meinem Zimmer vorbeibringt, übergebe ich ihm dankbar die DVD.
Als Mayumi endlich hier ist, gibt es erstmal ein freudiges Wiedersehen, und ich gebe ihr die "Tour" durch meine Wohnung. Danach geht es los nach 心斎橋, da sie den riesigen 100 Yen Shop sehen möchte, und außerdem von dort besser wieder nach Hause kommt. Unterwegs suchen wir noch schnell den Starbucks in 四ツ橋, vor dem ich mich morgen mit Michiko-Sensei treffen werde. Unterwegs ist es wirklich lustig, da ich als Gaijin mich hier besser auskenne, als Mayumi. Vergnügt zeige ich ihr die Gegend, in der ich wohne, und wir machen auch einen kurzen Abstecher nach アメリカ村, was auf dem Weg liegt, und wo sie bisher erst einmal war. So geben wir also ein ungewöhnliches Bild ab: Der Ausländer, der die Japanerin herumführt und ihr die Gegend zeigt und erklärt, wo welcher Stadtteil liegt, wo welche U-Bahn fährt, und wo es welche Läden gibt. Das ganze gipfelt darin, daß ich ihr erkläre, wie das U-Bahn-Ticketsystem fuktioniert, wie sie sich eine Fahrkarte kaufen kann, und zu welchem Bahnhof sie fahren muß - dieser Punkt dient allerdings nur noch zur Belustigung, da uns selbst die Situation reichlich bizarr vorkommt. Auf jeden Fall haben wir viel Spaß dabei.
Auf dem Rückweg gehe ich wieder zum 牛めし essen, wie sooft davor auch schon. Zufällig stolpere ich dabei über einen anderen Laden der gleichen Kette. Natürlich schmeckt es dort genauso. Ich genieße diese japanische Version des fast food. Man hat das Gefühl, gesünder zu essen - Hauptbestandteil dieser Speisen sind Reis - und es schmeckt phantastisch. Obendrein sind diese Gerichte unschlagbar günstig, rasend schnell, und man verläßt den Laden mit einem angenehmen Sättigungsgefühl. Am Eingang befindet sich der Automat, an dem man erstmal das gewünschte Gericht auswählt und bezahlt. Die Quittung wird an der kleinen Theke in der Mitte des Lokals abgegeben, und man bekommt zur Begrüßung schonmal einen Tee eingeschenkt. Nur wenige Augenblicke später steht das duftende Gericht vor einem, in meinem Fall - wie meistens - nebst einer leckeren Miso-Supper. Man erhält hier also eine vollwertige, gesunde, leckere Mahlzeit, und das, ohne den Geldbeutel zu strapazieren. Mein Gericht heute: umgerechnet 2,50 Euro, meiner Meinung nach aber deutlich mehr wert.
Zurück führt mein weg durch die Shotengai, eine quirlige Einkaufspassage, die um diese Zeit nur so vor Leuten wimmelt und überall von leuchtenden Lichtern erstrahlt wird, und nocheinmal durch das amerikanisierte Viertel アメリカ村, einem kleinen, alternativen Szeneviertel in Osaka. Kurz danach komme ich zu Hause an und bin ein bißchen erschrocken und traurig, daß dieser gute Tag so schnell vorbei war. Ich fürchte, meine Englischlehrerin hatte recht, als sie vor vielen Jahren einmal sagte:
Time flies when you're having fun!
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