Mittwoch, 3. März 2010

がんばります!

 Heute treffe ich mich mit Michiko-Sensei. Den Treffpunkt habe ich gestern ja noch gesucht - der Starbucks ist zu Fuß nur etwa 5 Minuten von hier entfernt. Wieder einmal freue ich mich über die geniale Lage meiner Wohnung. Es ist zwar ein bißchen kühl, aber die Sonne scheint und ich gehe pünktlich los zum Treffpunkt, gespannt, was mich erwartet. Treffpunkt heißt übrigens 待ち合わせ - das erste Wort, das ich hier gelernt habe. Äußerst nützlich zu wissen...

Vor dem Starbucks muß ich nicht lange warten, bis Michiko-Sensei auftaucht. Eine kleine, leicht hektische und ihrer Körpersprache leicht schüchtern wirkende Frau kommt über die Straße auf mich zu. Als einziger Europäer, der hier rumsteht wie bestellt und nicht abgeholt, ist es wohl nicht schwer, mich zu entdecken, und noch aus ein paar Metern Entfernung ruft sie mir fragend entgegen: "Philipp-San?" Prima, das hat also schonmal geklappt. Zusammen gehen wir zu ihrem Büro, das gleich um die Ecke liegt - praktischerweise wieder ein Stück zurück in Richtung meiner Wohnung. Ich freue mich, daß sich alles so großartig zusammenfügt und denke mir wieder:
偶然じゃない、運命だ!
("Das ist kein Zufall, das ist Schicksal!")

Der Raum, in dem sie Unterricht gibt, liegt im neunten Stock und ich genieße die Aussicht, während sie für uns Tee zubereitet. Zunächst plaudern wir ein wenig, und dann möchte zunächst einmal testen, auf welchem Level meine Kenntnisse sind. Motiviert von unserer flüssigen Unterhaltung, steigt sie gleich mal mit einem Fortgeschrittenen-Test ein, bei dem ich zu meiner großen Blamage völlig versage. Genau darin liegt mein Problem: mich auszudrücken ist nicht das Problem, und meine Konversationspartner schätzen meine Japanischfähigkeiten - unglücklicherweise - zuerst deutlich zu hoch ein. Aber das Hören und Verstehen bereitet mir immer noch große Schwierigkeiten. Das kommt daher, daß ich bisher nicht mit einem Kurs, sondern alleine gelernt habe, und mein Vokabular aus dem Alltag habe. Daher kann ich relativ viel von dem sagen, was ich sagen möchte, aber sobald mein Gegenüber seine Antworten aber nicht aus meinem persönlichen Wortschatz aufbaut, bin ich hoffnungslos verloren - wie ich nun leider schonungslos feststellen muß. Auch Michiko-Sensei ist sehr überrascht, da ich ihr ja viel erzählen konnte, und es sehr natürlich klingt, wie sie mir sagt. Glücklicherweise ist sie nicht so entmutigt, wie ich zunächst.

Auf einen Schlag wird mir bewußt, was ich für ein Glück hatte, Effi-San getroffen und von ihr Michiko-Sensei's Kontakt bekommen zu haben. In einem Kurs wäre ich wohl das schwächste Glied in der Kette, aber mit meiner Privat-Lehrerin können wir gezielt auf meine Bedürfnisse eingehen und nach meinem Tempo vorgehen. Jetzt liegt es also nur noch daran, wie sehr ich mich zusammenreiße, und pauke bis mir der Kopf raucht. Ich gebe nicht auf, ab sofort geht es los mit Vokabeln und Grammatik lernen. Die ruhigen Tage sind vorbei...

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